In Bewegung

In den letzten zwei Wochen war es hier ruhig. Ich habe gerne die wöchentlichen Gastartikel veröffentlicht und unseren kleinen Urlaub festgehalten, im Sinne des Tagebuchbloggens, aber für mehr fehlte mir die Energie. Sie war nämlich anderweitig gebunden und für manches braucht es Zeit.

Seit dem ich bei der Lesung von Markus Bock war, ist bei mir einiges in Bewegung gekommen. Ich dachte ja, nach über 30 Jahren Erfahrung mit Depressionen und depressiven Verstimmungen, mit dem Erlangen guter Werkzeuge und jahrelanger Hilfe anderer bei der Telefonseelsorge bin ich ein Profi meines Selbst.

Und dann redet da dieser Mensch so wundervoll, offen und ehrlich über seine Erfahrungen, sein Scheitern, sein Aufstehen, schildert seine Lebensgeschichte und mir fallen die sprichwörtlichen Schuppen wo runter.

Endlich habe ich verstanden, woher meine Ungeduld kommt, mein Drang nach Perfektion, mein Streben nach Ordnung und diesem „das mache ich sofort!“. Ganz einfach: Weil ich es kann.

Ich kann Ordnung halten, die Dinge regeln, mich kümmern und sorgen. Ich fühle. Ich lebe.
Das ist in meinen Augen die (verselbständigte) Gegenreaktion auf wochenlanges im Bett liegen, auf tagelanges nicht duschen oder Haare waschen. Ich habe es manchmal nicht mal geschafft, endlich von der Bettkante aufzustehen und zur Toilette zu gehen. Ich habe so lange eingehalten, bis ich vor Schmerzen in der Blase kaum noch laufen konnte. Ich konnte einfach nicht aufstehen. Und dieses Gefühl ist immer irgendwo da, ganz weit hinten. Es ist ein Echo aus einer anderen Zeit, einem anderen Leben.

Und ich glaube, ich habe jetzt (!) verstanden, dass ich jeden Tag aufs Neue mir selbst, mir ganz alleine, beweise, dass das vorbei ist. Deswegen will ich immer alles sofort. Alles erledigt haben. Ordnung haben und halten. Was schaffen. Mich wohlfühlen. Den Alltag schön haben.

Mir nimmt es (nun endlich) Druck, einfach aufgrund der Tatsache, dass ich weiß, warum ich so ticke. Und ich glaube, es war auch für den Gatten hilfreich, dass mal von jemand anderem zu hören, mit anderen Worten.

Danke, dass Du so viel in Bewegung gesetzt hast, lieber Markus. Du hast mir sehr geholfen, ohne es zu wissen. Aber ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so geht.

Ich will, weil ich kann.

 

(Markus hat übrigens auch bereits einen Beitrag zu meiner Gastartikelreihe beigesteuert. Hier nachzulesen.)

Kommentare (2)

  1. so ehrlich, so authentisch, so gewachsen.
    danke für deine offenheit.
    jeder beitrag in der richtung kann augenöffnen für andere sein.

    1. Vielen Dank für Deine Worte.

      Ja, das hoffe ich ohnehin mit jedem Text. Das wenigstens ein Mensch erreicht wird, der davon profitiert.

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