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Ich sitze am Beckenrand, mit den Beinen im Wasser und hinter meiner Sonnenbrille füllen sich die Augen mit Tränen. Mich durchströmt ein lang nicht gekanntes Glücksgefühl, gepaart mit Stolz. Stolz auf mich. Diesen Stolz empfinden zu können, ist ein großartiges Geschenk.

Was ist passiert? Ich bin geschwommen. Ja, klingt jetzt sehr banal. Zumal es auch nur 4 Bahnen gewesen sind. Aber für mich ist es so viel mehr. Ich war seit vielleicht 15 Jahren in keinem Schwimmbad mehr oder an einem See. Ich war zuletzt im Sommerurlaub 2012 im Meer, aber nur, weil ich wusste, der Gatte liebt mich so, wie ich bin. Und weil mich an diesem Meer keiner kannte.

Aber in der Heimat? Im Schwimmbad? Wo man dann alles sieht? Jedes Kilo, jede Delle, das ganze Fett und die Form? Never ever. Ich habe mich so wahnsinnig geschämt, dass ich mir viele heiße Sommer lang selbst im Weg stand. Die Freunde schrieben: „Schwimmbad nach Feierabend?“ Meine Antwort lautete: „Ach schade, ich muss leider lang arbeiten…“

Gestern habe ich mir einen Ruck gegeben, der Keks hatte Schwimmkurs, der Gatte guckte dem Keks zu und ich ging – im Badeanzug – über das ganze Gelände, stieg ins Wasser und schwamm vier Bahnen. Ich habe die Erfrischung genossen, das Gefühl, den Körper zu bewegen, ich habe sogar die erschöpften, weil untertrainierten Arme genossen. Ich habe die Sonne, das Grün, das Blau und das im Wasser sein genossen.

Ich habe mich verflucht dafür, mir diesen Genuss so lange versagt zu haben. Ich beginne, mich mit meinem Körper anzufreunden. Und mal ehrlich, er leistet jeden Tag so viel. Und hat mit mir zusammen dieses wunderbare Kind bebrütet. Zeit, ihn anzunehmen und das Leben (mehr) zu genießen.

Ich habe wirklich Bock darauf, wieder schwimmen zu gehen. Es ist also was dran: Im Alter wird vieles leichter. Ich bin mehr, als nur meine Hülle. Wer die Hülle nicht mag, soll weggucken.